Seewanze

Wanze fuhr in Walnussschale
– übrigens zum ersten Male –
auf dem Titikakasee.
Wanze trinkt ein Tässchen Tee,
nimmt dazu ein Butterbrot
auf dem Walnussschalenboot.
Sonne scheint auf Wanzidyll,
oh wie friedlich, oh wie still,
würde alles dafür geben,
alles für dies Wanzenleben.
Dann ein Sturm und Wanz erlebte,
wie die Walnussschale bebte.
Wanz fiel in den See hinein.
( Ich will keine Wanze sein)

Fischmarktfurz

Vom Hamburger Fischmarkt flog ein Furz in die Welt.
Er hatte einen Matosen gequält,
doch dann, krawumm, seinen Darm verlassen.
Kann es kaum fassen
frei zu sein und ganz allein.
Hoppalla,
er landete in Afrika
(genau gesagt Namibia).
Hier kannte ihn keiner, das machte ihn froh
schön so zu leben- inkognito.
Doch die Afrikaner,
diese freundlichen Namibianer,
haben ob des Gestankes gehustet,
danach gepustet,
dadurch, sodann
flog er auf den Ozean….

Ein Seemann kam zurück von der Reise.
Auf dem Fischmarkt,
nach dem zehnten Bier
murmelte er leise:
“schön ist es hier,
was hab ich Hamburg vermisst.
Schon auf dem Ozean,
ich mach jede Wette,
roch es wie auf der Fischmarkttoilette.”
Dann ließ er leise ein Windchen aus,
und der Furz war wieder zu Haus.

Intercity

Nachmittags im Zugbistro,
Landschaft fliegt an mir vorbei,
Blick verschwimmt im irgendwo
zum Farbenallerlei.
Neben mir die junge Mutter
-Möhrenbrei und Nuckelflasche-
gibt dem Nachwuchs Babyfutter,
Hund schläft auf der Reisetasche.
In der Kurve bremst der Zug-
roter Kindernahrungsflug
landet breit auf meiner Hose,
teils auch auf der Coladose.
Auch der Hund ist aufgewacht,
und das Baby lacht.
Nachmittags im Zugbistro,
allein im Intercityklo
musste ich entdecken:
Babybrei macht Flecken.

Netzwerke

Ist ein Wort nicht mehr modern,
halte Dich von diesem fern.
So gilt es heut als schlechte Gaben
viel „Beziehungen“ zu haben.
Wer diese hat steht gleich mit Macht
unter Korruptionsverdacht.
Doch wer ein „Netzwerk“ konzipiert
den heute aller Ehren ziert,
auch wenn er dort das Gleiche tut,
„Netzwerk“ ist in, und alles ist gut.
Es steht dann nur, am gleichen Ort
ein neuer Begriff für ein altes Wort,
ein altes Wort, einfach neu befeuert,
wie vieles im Leben: total bescheuert.

Die Evolution der Krabbe

Man behauptet,
wenn ein Rabe
mit einem Kranich
etwas habe,
entstehe daraus
eine Krabe.
Das zweite “b” habe
sich nach etlichen
Jahren ungefragt dazugeschlichen.

Fakir

Der Fakir saß auf Nagelbett
als wenn es keine Nadeln hätt.
Er saß dort fröhlich, stundenlang,
zum Zeitvertreib er Liedchen sang.

Der Fakir ging noch nicht nach Hause,
er stand nur auf,
zur Pinkelpause.

Ich schnappte mir die Nagelfeile
und feilte fix in Windeseile
vom Fakirbett die Nägel an,
als Service für den Fakirmann.

Er kam zurück,
er ließ sich nieder.
Hell ertönten seine Lieder.
Beachtlich wie der Fakir schwitzte,
nachdem ich ihm die Nadeln spitzte.

Aus dem wilden Westen (Die Wahrheit über Lederstrumpf)

Lederstrumpf der Bärentöter
war ein rechter Schwerenöter.
In Saloons, bei drallen Damen,
die wegen Geld bei allen kamen
war dieser Mann im wilden Westen
der wildeste von milden Gästen.
Wenn er in Bars mit Dirnen spielte
und auf deren Birnen schielte,
dann saß in seiner Unterhose
nicht nur sein Revolver lose.
Der Damenwelt
war er der Held.
Sie wussten ja, dem Lederstrumpf
wird niemals seine Feder stumpf.

Windkraft

Sieh mal wie bei Windkrafträdern
Flügel drehen leicht wie Federn.
Wie die Flügel leise rauschen,
möchte nicht mit ihnen tauschen
wenn sie gegen Vögel schlagen.
Ach, mir wird ganz schlecht im Magen.

Warum stellt man sie auf Felder
und nicht einfach in die Wälder?
Wären dort so schön verdeckt,
durch die Bäume gut versteckt.
Meinst Du wohl das kann nicht gehen,
weil die Flügel dann nicht drehen?

Ach du kleines dummes Kind,
meinst du wirklich das der Wind
diese Flügel antreibt?
Was wäre, wenn er ausbleibt?

In Wahrheit sind, bis Windstärke sieben
Windräder batteriebetrieben,
und die Anlagen werden ab Stärke acht
(wegen Sturmgefahr) ausgemacht.

Kontaktanzeige eines einsamen Inders in der Welt am Sonntag

Ich bin Ragula Schangula,
leb ich in Indien.
Als ich dort geboren war,
war ich ein ganz klein Kindien.

Ich lebe in Calcutta
groß Stadt in Indien.
Es lehrte mich mein Mutter,
zu früh mich nicht zu bindien.

So lebe ich allein
im großen Indien,
und schnitze Herzen ein
in der Bäume Rindien.

Ich bade oft im Ganges
such Frau in Indien
bisher mir nicht gelang es
bin zu bemitleidindien.

Viel einsam bin ich hier
im wundervollen Indien,
ich rede nur mit mir,
und manchmal mit den Windien.

Mach meine Träume wahr
und fahr nach Indien.
Frag nur nach Ragu Schangula,
dann wirst Du mich schon findien.

Feststellungen

Die Tänzerin übt Wendigkeit,
die Post prüft die Versendigkeit,
der Strauß läuft mit Behändigkeit,
der Jungfrau fehlt Empfänglichkeit.

Der Papst hofft mit Beständigkeit
auf seine Unvergänglichkeit.
Dem Zwerge fehlt die Länglichkeit,
der Knabe strebt nach Männlichkeit.

Gesetze haben Zwänglichkeit,
dem Mörder hilft Geständigkeit.
Und mir tut einfach ständig leid
meine Bauchumfänglichkeit.