Paradies

Ich glaube der Zustand im Paradies

gleicht dem Leben im Rentnerverein.

Wenn wirklich Gott es schaffen ließ,

muss er wohl alt gewesen sein.

Es stellt sich für mich so dar, wie

eine öde Monarchie,

nur einer, der für alle denkt,

der jedermanns Geschicke lenkt.

Im Paradies herrscht keine Eile,

ein jeder ist dem andern gut.

Welch Zustand voller Langeweile,

wenn man auf rosa Wolken ruht.

Im Paradies herrscht ständig Stille,

zu essen gibt es Haferschleim,

und sei es auch mein letzter Wille,

ich will nicht in dies Altenheim.

An den Tod will ich nicht denken

denn mir ist meine Lebenszeit

zu wertvoll um sie zu verschenken

an unbekannte Ewigkeit.

Wenn ich dann sterbe folgt das Nichts,

die Blumen dann mein Grab bedecken.

Mich kann, des Todes angesichts,

das Paradies am Arsche lecken.

Seifenblasen

Wenn man eine Seifenblase

mit dem Finger oder Nase

antippt, und nur leicht berührt,

hat man kaum gespürt

dass man sie zerstört.

Niemand hat gehört

wie Seifenblasen sterben.

Nur die lauten und die derben

werden wirklich wahrgenommen.

Leise Seifenblasen kommen

nie in ein Geschichtsbuch,

und ich fürchte, der Versuch

sie einmal ins Licht zu rücken

wird wohl auch misslingen,

weil sie nicht bedeutsam klingen.

Leichter ist es, wir zerstören

anstatt Blasen zuzuhören,

weiterhin mit Hand und Nase

jede bunte Seifenblase.

Orca

Ein Walfisch stieg in eine Robe,

er liebte schwarze Garderobe.

Er war der Robe angetan,

der schwarz gewandet Walfischmann.

Er traf auf eine Walfischfrau,

die trug statt Walfisch- Einheitsgrau

ein Kleid so weiss wie Schnee.

Er traf sie in der Behringsee.

Ein weisser Wal, ein schwarzer Wal,

sie liebten sich im Wellental,

und schwammen auch gemeinsam dann

in den stillen Ozean.

Triffst Du auf den Orca Wal,

dann denke an das Wellental.

Auch wenn Kontraste sich verbinden

kann man zu einer Einheit finden.

Endlosschleife

Entenbrüste, Gänsepasten,

die unser Gewicht belasten,

Schokoladen und ein Kasten

Bier, wir tasten

auf den Bauch, und fasten.

Zählen jede Kalorie,

meiden stets die Brasserie,

jedes Sahnetortenstück

weisen wir empört zurück.

Trinken Wasser anstatt Wein,

bleiben abends oft allein,

sind alsbald vom Fett befreit,

doch es kommt die Weihnachtszeit.

Entenbrüste, Gänsepasten,

die unser Gewicht belasten,

Schokoladen und ein Kasten

Bier, wir tasten

auf den Bauch…… und fasten.

Der Zauberer

Es zauberte der Zauberer

zauberhafte Dinge her.

Augen wurden ihm verbunden,

Hasen aus dem Hut verschwunden,

zaubert einfach, eins, zwei, drei,

weiße Tauben aus dem Ei.

Als er auf der Bühne stand,

geisterhaft im Dunst verschwand.

Laut ertönte sein Gesang,

im Publikum, hinterster Rang

und hatte statt des Anzugs dann

eine gelbe Jacke an.

Ein Wunder, wie der Zaubermann

jedes Teil verzaubern kann.

Doch fast an jedem Morgen

plagen ihn dieselben Sorgen.

Täglich ist die Brille fort,

ständig wechselt sie den Ort.

Da hilft kein zaubern, hilft kein Fluchen,

da hilft nur täglich: Brille suchen.

Carpe Diem

Heute geht es nicht und gestern ist vorbei,

morgen wird es sein, Ketten entzwei.

Gestern war es möglich meine Chance war nah.

leider doch verpasst, morgen bin ich da.

Heute geht es nicht und gestern ist vorbei,

morgen wird es sein, Ketten entzwei.

Tage sind vergangen, hätte wagen sollen,

lebe immer weiter in den engen Rollen.

Heute geht es nicht und gestern ist vorbei,

morgen wird es sein, Ketten entzwei.

Jahre sind vergangen, Leben geht vorbei.

Lächelnd winkt der Tod- und hat Ketten dabei.

Kindergedicht

Ziegenbein und Pferdefuss

aßen beide Apfelmus.

Pferdefuss und Ziegenbein

aßen ganz allein.

Das fand Gurkenschwein gemein.

Rannte zu der Wasserfliege,

die saß schlafend auf der Ziege.

Ziege fühlte sich allein,

denn ihr fehlte Ziegenbein.

Gurkenschwein bestellte Gruß,

gab der Ziege einen Kuss,

berichtete von Pferdefuß,

der äße nämlich Apfelmus,

und sei nicht allein,

vergnüge sich mit Ziegenbein.

Ziege geht zu Pferdefuss,

langsam, weil sie humpeln muss,

mit ihr ging das Gurkenschwein,

trafen so auf Ziegenbein.

Nun aßen alle voll Genuss

den letzten Rest vom Apfelmus.

Nur die Wasserfliege,

schlief friedlich weiter auf der Ziege.

Burgenbau

Denke an die Sommerzeit,

Landschaft blüht im grünen Kleid,

Sonne will nicht untergehen,

keine Wolke ist zu sehen.

Sitze an des Meeres Strand,

riesel Sand durch meine Hand,

will nach schönen Frauen schauen

oder eine Sandburg bauen.

Doch derweil ich liege hier,

keine Frau schaut her zu mir.

Ach, wen interessieren Frauen,

das höchste Glück ist Burgen bauen.

Auftragsgedicht

Eine Freundin war erpicht

auf ein Gedicht.

Ein Gedicht von mir.

Ich sagte zu ihr:

was darf es denn sein,

eine Dichtung mit Reim,

oder moderner?

“Ach, Hans- Werner,

völlig egal,

schreib nur einmal

wie schön ich bin,

Du kriegst das schon hin.”

Gern schreibe ich nicht

so ein Auftragsgedicht.

Demenz

Fährmann, Fährmann, sage mir

wohin schwimmt Dein Boot?

Fährmann, bitte fahr mit mir

in das Morgenrot.

Fährmann, Fährmann, ich vertraue

denn Du kennst den Weg.

Fährmann, Fährmann, sieh ich schaue

auf Dein Boot von diesem Steg.

Fährmann, zieh die Leinen ein,

fremd ist diese Welt,

fühl mich müde und allein,

nichts mehr was mich hält.

Fährmann, sieh die Nebelschwaden,

Du fährst auf sie zu.

Unser Boot ist kaum beladen,

neben mir stehst nur noch Du.

Fährmann, Fährmann, gib mir Nähe,

halte meine Hand,

wenn ich in die Ferne sehe

ängstigt mich die Nebelwand.

Fährmann bleib, ich werde blind,

seh nur graue Wände.

Kalter Nebel, kaum ein Wind,

spür ich Deine Hände.

Fährmann, Fährmann, sage mir,

wohin schwimmt Dein Boot?

Fährmann, bitte lass uns nun

fahren in das Morgenrot.