Es ist, für ein bewegtes Leben nie gut, an etwas festzukleben. Lasst uns diese Welt verändern, lasst uns streiten über Gendern, lasst uns in die Zukunft schauen, Wolkenkuckucksheime bauen, oder lasst uns meinetwegen Wert auf „was auch immer“ legen, eines kann man sicher lernen: Kleister lässt sich schwer entfernen im Geist, auf Straßen, an Gebäuden: wer festklebt wird nie überzeugen.
Schlagwort: Politik
Energetische Sanierung
Heimat gibt ein altes Haus,
Gemütlichkeiten strahlt es aus,
gab Dir durch Jahrzehnte Raum
für manchen nicht erwähnten Traum.
Wenn man hermetisch dies saniert,
energetisch es verziert,
(auf dem Dache liegen Platten
wo wir früher Ziegel hatten,
Wärmetauscher an der Wand
wo einst der Oleander stand,
statt Heizkörper und Ofencharme
wird nur noch der Boden warm,
das ganze Haus wird eingehüllt,
war einst mit Frischluft fein gefüllt)
dann sei der Politik gedankt,
die vom Bürger dies verlangt,
aber, auf der and´ren Seite:
nach dem Umbau bist Du pleite.
Narrativ
Verzweifelt ein Professor rief:
„was ist denn bloß ein Narrativ?“
Schließlich war es ihm viel wert
als jemand dieses Wort erklärt:
ein Narrativ sei die Geschichte
die man attraktiv berichte,
manchmal wahr, doch oft erdichtet,
der Wahrheit sei sie kaum verpflichtet.
So hätten viele Diktatoren
oft das Narrativ erkoren,
man habe ihnen Land gestohlen,
das müsse man sich wiederholen.
Das warum? Ist schwer erklärlich,
manchmal aber hochgefährlich,
denn oftmals ist beim Narrativ
einfach nur ein Narr aktiv.
Rat an Politiker
Wenn vom Parlament das Mitglied
wieder mal nur seine Sicht sieht,
wenn sich in Gemeinderäten
Ratsherrn gern an Beine treten,
wenn auf jeder Seite Frust
wegen Lebenszeitverlust,
kurz, wenn fehlt der Worte Macht
neige man zur Tortenschlacht.
Argumente wirken schneller,
doch wirf Torte nie mit Teller,
sonst entsteht bei Diskussion
durch die Beule Missgunst schon.
Tengelmann
Verzweifelt rief von Tengelmann
man Edeka als Engel an.
Gabriel, der Bengel, dann
wollte retten Tengelmann,
doch Gericht bemängeln kann
Kauf der Firma Tengelmann,
denn Rewe fing zu quengeln an.
Viel Glück, das wünsch ich Tengelmann.
Politik und Kirche
Neulich im Gemeinderat
gestand der Erich seine Tat,
dass er in Kirche Steine statt
Geld in Spendenschreine tat.
Da schimpfte der Gemeinderat:
„Erich, du gemeiner Schrat“
Die nächste Bankenkrise (Das neue Konjunkturpaket)
Die Taschen meiner Kittel leer,
ich habe keine Mittel mehr.
Mein Auto ist dem Schrott geweiht,
Vertrauen nur noch Gott verleiht.
Wenn ich nun alle Wertpapiere,
Haus und Hof und Pferd verliere,
will ich Dir dennoch danken, Lise,
Du hilfst mir aus der Bankenkrise.
Du hörtest, wie der Bundesrat
wohl gestern Abend kund es tat
in aufgebrachten Reden,
dass, ausgemacht für jeden
der von dieser Not betroffen,
(falls er sich noch nicht totgesoffen)
im nächsten Konjunkturpaket
die Chance auf eine Kur besteht.
Entenpolitik
Vor Jahren schrieben zwei Enten
einen Brief an den Bundespräsidenten.
Sie wollten sich beschweren,
dass Menschen ihnen verwehren,
parlamentarisch einzukehren.
Auf jeden Fall
sei es eine Qual,
dass jeder ihre zarte Brust
verspeisen wolle, nur aus Lust
am essen, das erzeuge Frust,
und man verletze hiermit schon
die Genfer Konvention.
Auch andere Dinge, die geschehen
würden sie nicht einsehen:
Warum erhält eine Ente
zum Beispiel keine Rente?
Warum fährt Ente nie mit dem Bus?
anstrengend sei das watscheln zu Fuß.
Ist die Entengesundheit nichts wert?
kaum eine Ente sei krankenversichert.
Der Briefempfänger, unser Bundespräsident,
ein Mensch der alle Brisanzen kennt,
hat die Enten unterdessen
eingeladen, geschlachtet und gegessen.
Ihm schien es einfach zu vermessen, zuzulassen,
dass politische Enten in Parlamenten Fuß fassen.
